Ist Bauchreden eine Kunst?

Hat Bauchreden ein schlechtes Image?

Sind Bauchredner:innen irre, seltsam und merkwürdig? Gespaltene, gestörte Persönlichkeiten? Einsame Menschen und schizophrene Psychopathen, die mit Puppen reden, weil ihnen sonst niemand zuhört?

Das Image des Bauchredners wird wie das kaum eines anderen darstellenden Künstlers durch Klischees geprägt: Bauchredner:innen machen zotige Scherze und stellen unschuldige Zuschauer bloss. Sie spielen mit Puppen wie Kinder, die sich mit dem Kasperli abgeben. Sie sind Menschen mit Komplexen, die versuchen mit Puppen Aufmerksamkeit zu erheischen und stattdessen nur ein müdes Lächeln ernten. Diese Menschen vermitteln kein Kunsterlebnis. Ihre tatsächliche oder vermeintliche Kommerzialität sowie Gleichgültigkeit gegenüber gesellschaftlichen und politischen Themen gelten als Ausweis künstlerischer Zweitklassigkeit.

Wie kommt es zu diesen Klischees und Vorurteilen?

Bis ins 18. Jahrhundert missbrauchten Bauchredner:innen ihre Fähigkeiten. Sie setzten ihr Können ein um andere zu schädigen, waren Betrüger. Sprachen von Kräften,  die auf einen Zugang zu höheren Mächten deuteten. Sie waren also  Scharlatane, Schamane oder Schwarzkünstler. So war Bauchreden auch schon verboten und mit Gefängnis bestraft worden.                                                                                                                1960 gab es in den USA eine TV Serie ‚The Twilight  Zone‘. Darin wurden Ventriloquisten als gestörte, gespaltene Persönlichkeiten mit emotionalen Problemen präsentiert. Die Medien übernahmen diese Haltung und Darstellung. Bauchredner wurden schubladisiert. Bereits früher zeigte die Filmbranche Bauchredner, die diese Klischees verankerten. So zum Beispiel der Film ‚The Great Gabbo‘ (1929) von James Cruze. Er handelt von einem Bauchredner, dessen geistige Verfassung durch seine übersteigerte Ichbezogenheit gefährdet ist, während er die bessere Seite seines Ichs durch seine Puppe namens Otto zum Ausdruck bringt. Oft hatten Bauchrednerfiguren, auch fälschlicherweise Dummies genannt, eine dämonische, teuflische Ausstrahlung. Nicht nur Kinder können beim Betrachten einer solchen Figur Alpträume bekommen.  Die Angst vor solchen Kreaturen hat sogar eine spezielle Bezeichnung: Automatonophobie. Vermutlich ist das ein weiterer Grund, dass die Ventriloquia auch schon als vergangene, verstaubte Kunstform aus dem vorletzten Jahrhundert abgestempelt wurde.  Erlebt man einen Bauchredner mit derben Sprüchen, die einen nicht begeistern können, wird ein negativer Eindruck des Bauchredens zurückbleiben und man wird den Bauchredner kaum weiterempfehlen. Aber wenn man mal einen Rotwein mit Zapfen erwischt, wird man dann auch sagen: nie wieder Rotwein?

Was ist Kunst?

Musik, Theater, Fotografie oder Malerei gelten zweifelsohne als Künste, weil sie eine freie schöpferische Gestaltung zum Inhalt haben, in der Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse des Künstlers durch das Medium (Musikstück, Präsentation, Foto, Bild) einer bestimmten Formsprache zu unmittelbarer Anschauung gebracht werden. Beim künstlerischen Schaffen wirken Intuition, Fantasie und Kunstverstand zusammen. Das künstlerische Schaffen ist unmittelbarster Ausdruck der individuellen Persönlichkeit des Künstlers.

Bauchreden ist eine Kunst

Bauchreden ist eine darstellende Kunst. Vergleichbar z.B. mit dem Vortragen eines Musikstückes. Nicht um den einzelnen Gag oder Spruch geht es einer Bauchrednerin. Sie weckt Figuren oder beliebige Gegenstände zum Leben und kreiert eine Atmosphäre in der die Realität scheinbar  überwunden und vergessen wird und in der kindliches Erstaunen an die Stelle erwachsenen Verstandes tritt. Sie weckt im Betrachter Emotionen wie es auch beim Hören eines Musikstückes geschehen kann. Auf den kleinsten Nenner gebracht ist Bauchreden lediglich eine optische und akustische Täuschung in Kombination mit Puppenspiel. Der Bauchredner schafft wie ein Zauberer Illusionen. Er will das Publikum unterhalten, zum Staunen, zum Lachen, zum Rätseln oder zum Nachdenken bringen. Er präsentiert heitere Unterhaltungskunst.